Home-Office hat was mit Menschenbild zu tun

Posted: März 19th, 2013 | Author: | Filed under: Allgemein | Kommentare deaktiviert für Home-Office hat was mit Menschenbild zu tun

Zur Zeit scheint es ja fast schon en vogue zu sein (zumindest bei amerikanischen Unternehmen) sich in der Folge von Marissa Mayer vom Home-Office zu verabschieden. Natürlich begleitet von Berichterstattung die eilfertig darlegt, dass es noch nie was gebracht hat und nur zur Desintegration und Vereinsamung führt und natürlich letztlich ein Produktivitätskiller ist.

Die Yahoo-Entscheidung mag ihre speziellen Gründe haben – dennoch halte ich sie für falsch und fatal.

Zum einen natürlich weil das Home-Office eine wichtige Regelung ist um den Arbeitsalltag von Menschen mit Kindern zu flexibilisieren (sehr schön in diesem offenen Brief an Mayer zum Ausdruck gebracht). Und natürlich weil es generell Arbeitsmodelle ermöglicht für Leute, für die „ins Büro fahren“ einfach keine sehr hilfreiche Option ist (am besten in diesem offenen Brief zum Ausdruck gebracht).

Vor allem aber ärgert die Diskussion mich, weil es eigentlich eine Frage des Menschenbildes ist, die dahintersteckt. Denn neben allem dämlichen was in der heutigen Arbeitswelt mit der Präsenzpflicht in Verbindung gebracht werden kann, ist es doch vor allem ein Mittel der Kontrolle und des Mikromanagements von Mitarbeiter/innen. Anders gesagt: Home-Office anzubieten hat was mit Respekt und Vertrauen in die Fähigkeiten der Mitarbeiter/innen einer Firma zu tun – neben all den praktischen Aspekten, die ich oben genannt habe. Insofern bin ich froh über Gegenstatments wie z.B. dieses hier von Richard Branson. Wir haben vor einiger Zeit unsere Home-Office Regelung ausgeweitet, und bieten inzwischen jeder/m Mitarbeiter/in einen Home-Office Tag pro Woche an. Das hat sich sehr bewährt (auch in Bereichen wo wir anfangs Sorge hatten) und wird gut angenommen. Und ich weiß von vielen, dass sie es als Tool schätzen um Arbeit und Leben besser in Balance zu bringen – oder manchmal einfach konzentriert an was arbeiten zu können von zuhause aus. Und als Arbeitgeber bin ich zutiefst davon überzeugt, dass Menschen mit genügend Ressourcen und Freiheiten ausgestattet einen zigfach besseren Job machen werden als per Misstrauen und Mikro-Management.

Mir ist übrigens – auch aus langjähriger eigener Erfahrung – auch die Ausbeutungs-Seite von Home-Office bewusst, also vor allem die Tatsache, dass Leute im Home-Office meist eher mehr als weniger arbeiten. Da muss man ein Auge drauf haben. Wir sind u.a. deshalb mit der Diskussion noch nicht am Ende, aber ich bin mir sicher, dass wir eher bei noch mehr Vertrauen und Flexibilisierung landen werden als irgendwas davon ernsthaft in Frage zu stellen.


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