Von der Schwierigkeit relevante Empfehlungen zu generieren II

Posted: Oktober 8th, 2007 | Author: | Filed under: nugg.ad | Tags: , | Kommentare deaktiviert für Von der Schwierigkeit relevante Empfehlungen zu generieren II

Wir sind derzeit auf der Suche nach einem kleinen Wochenendhäuschen im Berliner Umland (bitte erst lesen bevor jemand jetzt einen Tipp schickt). Bei der Suche ist mir mal wieder klar geworden wie schwierig und schier unlösbar das eigentlich ist was wir (bei nugg.ad) vorhaben – nämlich wirklich relevante, gute Empfehlungen maschinell zu generieren.

Bei Licht betrachtet ist die Fehlerquote von Empfehlungen nämlich gigantisch – selbst wenn sie von Menschen generiert wurden. Genau genommen sind relevante Empfehlungen fast jedes Mal wie ein Wunder. Und trotzdem gibt es Leute die sie mit schlafwandlerischer Sicherheit aussprechen, oder?

Also, von vorne: Es ist unglaublich wie oft man denkt man hätte was passendes und vor Ort entpuppt es sich als „geht gar nicht“. Das ist bei Kinoempehlungen so (kann gerne mal erzählen wie es mit meiner Ex-Frau in „from dusk till dawn“ war – eine Empfehlung meines Bruders…) aber eben auch bei Ferienhäusern.

Es fängt an bei den Suchmaschinen und Ihren Einträgen, also z.B. Immoscout. Mann ist das schlecht was man da sieht. Also z.b. „Wundervolles Seegrundstück mit liebevoll erhaltenem Häuschen“. Denke ich: wow, das könnte es sein! Also reingeschaut und es hat uns schier von den Stühlen gerissen so unglaublich hässlich war das Teil. Direkt an der Strasse und innen eine Mischung aus schwäbischer Gemütlichkeit, bayrischer Stube und Istanbuler Barock. Es stimmte an dem Ding praktisch gar nichts bis auf den Seezugang. Man stelle sich vor das wäre in der Zeitung gewesen also ohne Bilder und wir wären erstmal hingefahren. Dann der peinliche Termin mit Maklerin oder gar den Besitzern wo in den ersten 10 Millisekunden klar ist dass man es nicht will, nichtmal geschenkt und man muss das Programm aus Höflichkeit trotzdem abspulen. Aber oft helfen die Bilder auch nicht oder sie täuschen sogar mit – klar. Dann steht man vor so einem Teil was schon alle Hoffnungen auf sich gezogen hatte und es ist irgendwie falsch, hat ne Baustelle nebendran, sieht vermodert aus oder es hat sich kürzlich einer aufgehängt drinnen.

Ich frage mich eigentlich wie die Immobilien-Suchmaschinen überhaupt so erfolgreich sein können weil ich mir sicher bin dass Ihre Erfolgsquote erbärmlich ist.

Verzwickter wird es noch wenn es in die „human recommendations“ reingeht, also Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Auch da gibt es das ganze Spektrum und manchmal denkt man sich „verdammt wie können die das schön finden“, manchmal kommt man sich näher weil man das Gefühl hat jemand zeigt einem (oder hat gerade selbst gekauft) exakt das was man sich selbst erträumen würde. Das rührt einen dann manchmal fast an so selten und einschneidend sind derartige „Treffer“.

Und dann gibt es diese messianischen Momente wo Leute einfach ziemlich genau wissen was man mag und – von gewissen Kollateralschäden abgesehen – zielgenau und gut aussortiert einem immer wieder Dinge empfehlen die wirklich klasse sind. Für die man selbst ewig hätte suchen und unendlich viele peinliche Abwiegelungsgespräche führen müssen.

Ich kenne keine psychologische Theorie dafür, bin aber davon überzeugt dass es ein ziemlich komplizierter Prozess ist. Wahrscheinlich spielen aber auch einfach alte Tugenden wie Einfühlungsvermögen, „sich in jemanden hineinversetzen können“ etc. eine Rolle.

Jedenfalls ist es eine unglaubliche Herausforderung das einer Maschine beibringen zu wollen. Gut – die darf auch öfter mal Fehler machen weil die ja eh keine Freunde hat die es nicht zu verlieren gälte. Darin könnte eine Chance liegen.

Aber man muss auch ehrlich sagen: Für die Maschinen wäre die oben geschilderte Immoscout Seegrundstück-Empfehlung schon hohe Kunst, wirlich. Ist also noch ein weiter Weg…


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