Wer an die Fleischtöpfe will, muss Fleischwurst können

Posted: Oktober 30th, 2006 | Author: | Filed under: nugg.ad | Tags: , , , | 1 Comment »

In der Onlinewerbung wird alles anders und bleibt doch so wie es ist

Der SPIEGEL widmet sich in Ausgabe 39/06 unter dem Titel „Was Du machst, ist ganz egal“ der bunten Web2.0 Welt. Mich amüsiert und beunruhigt gleichermaßen, dass nach fünf Jahren Eiszeit wieder en masse Geschäftsideen ohne verlässliche Erlösmodelle aufblühen, die sich aber dennoch offensichtlich nicht über einen Mangel an medialem Hype und auch handfesten Investments beklagen müssen. Nichts gelernt aus Bubble1.0?

Irgendwie und irgendwann wollen fast alle – auch die im genannten Artikel behandelten YouTube, Myspace, MyVideo und StudiVZ – Geld mit Werbung verdienen. Damit das Investoren einigermaßen glaubhaft zu vermitteln ist, wird die Werbewelt schnell mal uminterpretiert. Ehssan Dariani, Gründer von StudiVZ, meint gar, wenn die Grenze von 1 Mio. Mitgliedern demnächst überschritten ist, wäre sein Unternehmen „für Werbekunden attraktiver als RTL“. Statt „nerviger Popup-Fenster“ erwartet er etwa Diskussionsgruppen, die dann beispielsweise ein Reiseveranstalter als Sponsor bewerben darf. Sorry, all das hatten wir schon einmal und letztendlich ging es gründlich schief.

Dabei ist Werbung doch eigentlich ganz einfach. Zunächst einmal verfügen jene Unternehmen über die wirklich großen und für Websitebetreiber somit interessanten Budgets, welche sich hinter den Produkten verbergen, denen wir alle Tag für Tag im Supermarkt begegnen. Es geht also zum Beispiel um Joghurt, Waschmittel oder Fleischwurst. Deren Hersteller werben bislang nur wenig im Web und werden wohl auf lange Sicht ihre Budgets eher bei RTL als im Internet sehen.

Rügenwalder

Zudem wissen die Marketingverantwortlichen der Nestlé, P&G oder Henkels dieser Welt in der Regel sehr genau, was sie wollen: Zielgruppen, beschrieben mittels Soziodemographie, Lifestyle und Produktinteressen. Ihre Ziele sind Markenbekanntheit und Image, letztendlich aber vor allem Käufer. Verlässliche Informationen, wo Zielgruppen zu finden und deren Bildschirme in Form von Ads buchbar sind, liefert weder der Kontext einer Website, noch kann Google mit AdWords helfen. Schließlich sucht kaum einer im Internet nach Produkten, bei denen er im Supermarkt zugreift.

Die Angebote im Internet von heute – ob nun 2.0 oder nicht – können allerdings mittlerweile etwas bieten, was das Interesse am Internet bei den Markenartiklern rapide steigen lassen wird: Millionen von Nutzern. Die Werbeträger und Vermarkter im Netz müssen dazu aber lernen, die Menschen hinter der technisch messbaren Nutzung zu verstehen. Was interessiert sie, was ist für sie relevant, welche Werbung sinnvoll? Es ist somit weder das Web noch die Werbung, die neu erfunden werden müssen. Nutzung und Nutzer zu verstehen und für die Werbetreibenden erreichbar, sprich buchbar, zu machen, ist Argument genug, um auch mit dem Internet an die Fleischtöpfe der Werbung zu gelangen. Es geht um die Wurst!


One Comment on “Wer an die Fleischtöpfe will, muss Fleischwurst können”

  1. 1 Carsten said at 13:51 on November 21st, 2006:

    Jetzt bin ich nicht gerade der Nerd bzw. Feingeist in Sachen Internet, auch kein Kenner profunder Expertisen über Nutzerverhalten, eher temporärer Brettsegler im Privaten und ansonsten interessieren mich Gestaltung & Contents im Job. Werbung im Netz, gleichwohl unsere Agentur selbst welche anbietet, ist bis auf wenige Ausnahmen öde, dämlich konzipiert und konterkariert mehrheitlich die Intention der Werbenden. Jedwede Kosten für eine solch billig gemachte, Nerv tötende mediale Glocke sind unstrittig rausgeschmissenes Geld. Ich bin mir aber andererseits auch nicht sicher, ob ein Profiling generelle Abhilfe schafft; Frank jetzt agitierst Du apodiktisch und nicht ganz altruistisch für Euer Produkt, was mich nur teilweise überzeugt. Die Crux am Internet ist sicher, dass es mir mehr Antworten auf Fragen geben will, die ich nie gestellt habe, ich unverhoffter Dinge vom Regen in die Traudel komme, es ein Tummelplatz von Info und Müll ist, bei dem ich zunehmend Mühe aufbringen muss, beides zu trennen. Irgendwie sind wir noch zu unreif für die Bannerclicks, haben unsere Antennen noch nicht auf Empfangsbereitschaft gepolt – kurz, Angebot und Nachfrage sind nicht synchronisiert. Euere Chance sind die beiden „noch“ im vorangegangenen Satz.
    Greifbarer ist für mich derzeit ein Suchmaschinen-Marketing, hier winkt dem Nutzer weniger der Zaunspfahl als bei einer Bannerwerbung, er wähnt sich unmanipulierter. Wie dem auch sei, ich beobachte interessiert Euer Tun und bin gespannt auf künftige Entwicklungen….